Bernburg, Saalplatz

  • Standort: Bernburg
  • Art: Neubau und Sanierung
  • Status: in Ausführung
  • Leistungsphasen: 1 - 8

Baugeschichte und Städtebau

Der Bauort liegt im Bereich um den Saalplatz, am Übergang der Bergstadt Bernburg zur Talstadt. Das Grundstück liegt inmitten des Sanierungsgebietes Altstadt Bernburg. Die Architektur des Bauortes ist von unterschiedlichen Epochen geprägt. Von hier aus wuchs die heutige Bergstadt und bildet ein lebendiges, heterogenes bauliches Ensemble. Die Grundstücke des Revitalisierungsgebietes sowie deren unmittelbares Umfeld sind von einer hohen Urbanität und Dichte gekennzeichnet, von einer über die Jahrhunderte fortgeschriebenen Veränderung und Verdichtung, die das Prinzip des „Weiterbauens“ bis heute deutlich ablesbar machen. Für dieses Stadtgebiet und das nachfolgend vorgestellte innerstädtische Entwicklungsprojekt ist die geschlossene Reihenbebauung mit seinen Wohn- und Geschäftshäusern typisch.

Die Bestandsgebäude am Kugelweg 4 und Saalplatz 10 (künftig Saalplatz 12) bilden markante Blickpunkte im Straßenverlauf und sind wegen ihrer die Straßenverläufe ordnenden Wirkung städtebaulich für die Talstadt von besonderer Bedeutung. Die prägnanten Baukörper nehmen aufgrund ihrer Fassadengestaltung auch optisch aufeinander Bezug.

Seit mehr als 10 Jahren sind die beiden Wohn- und Geschäftshäuser ungenutzt und durch unterlassene Baupflege bereits von Substanzverlust bedroht. Infolge der Übernahme der Grundstücke durch die örtlichen Bernburger Wohnstätten-gesellschaft ist der Anfang zur Revitalisierung des Gebietes getan.

Leitgedanke / Gestaltungsprinzip / Architektur

Mit der Durchführung von Maßnahmen am Saalplatz soll wertvolle, noch erhaltene Substanz bewahrt, städtebaulich verträglich ergänzt und das derzeit brachliegende Saalplatzquartier in neue Nutzung gebracht werden. Durch Neuansiedlung von Gewerbe, Handel und Schaffung hochwertigen, zeitgemäßen Wohnraumes sollte es gelingen, das Saalplatzquartier auf Dauer zu revitalisieren.

Die geplante Revitalisierung des derzeit leerstehenden, meanderförmig verlaufenden Blockrandes Kugelweg 4 – Saalplatz 12 bedarf einer fach- und denkmalgerechten Wiederherstellung der beiden gründerzeitlichen Bestandsgebäude und einer in ihren Proportionen und architektonischen Ausformulierung angemessenen baulichen Ergänzung im Bereich der vorhandenen Baulücken.

Der vorliegende Entwurf knüpft an diese Tradition an und schlägt einen Transformationsprozess vor, der folgenden Schwerpunkte beinhaltet:

  • Erhalt und Instandsetzung der noch intakten Bauteile der historischen Bebauung am Kugelweg 4 und am Saalplatz 10.
  • Schließen der durch Abbruch entstandene Baulücke zwischen dem Kugelweg 4 und der Bestandsbebauung Saalplatz 10 durch einen Neubau, der sich hinsichtlich seiner Materialität an der angrenzenden Bebauung orientiert und durch den aufgenommenen Höhenbezug dem Straßenzug zugehörig wird.
  • Neubau eines Gebäudes am Standort Saalplatz 12, das sich sowohl benachbarter Materialien bedient als auch in seiner Höhenstaffelung Bezug zwischen den Bestandsgebäuden von Saalplatz 10 und Saalplatz 13 schafft
  • Schaffung eines gemeinsamen Erschließungsstranges für die Gebäude Altbau Kugelweg 4, Neubau Kugelweg 4, Altbau Saalplatz 10 (künftig Saalplatz 12) und Neubau Saalplatz 12 durch Errichtung von zwei, jeweils innerhalb eines der beiden Neubauten liegenden, über einen hofseitigen Verbinderbau miteinander gekoppelten Treppenhäusern zur vollständigen barrierefreien Erschließung sowohl der beiden Neubauten als auch der beiden Altbauten.

Lage und Infrastruktur

Das Grundstück grenzt im Westen an das Haus Saalplatz 13 und im Osten an das Gebäude Kugelweg 6. Südlich umschließt die Bebauung einen Innenhof mit Brache, der sich lediglich zur sogenannten Freiheit öffnet. Das Höhenniveau der äußeren umgebenen Straßen-Gehweg Front verläuft von Westen mit -0,25 m über Norden nach Osten mit +2,50 m über NHN.

Obwohl das Grundstück in städtebaulicher Vorzugslage liegt, stehen die Gebäude Kugelweg 4 und Saalplatz 10 (künftig Saalplatz 12) derzeit leer.

Baugrundstück

Der Bauort besteht aus ursprünglich fünf Flurstücken (41, 42, 43, 44, 45), durch deren Vereinigung ein Baufeld mit einer Gesamtfläche von 868 m² entsteht, wovon mehr als 60% überbaut sind.

Nutzung

Gemäß der bereits in der Wilhelmstraße etablierten gewerblichen Nutzungen und aufgrund der differenzierten Raumstrukturen ist ebenerdig eine Ansiedlung von Kleingewerbe angestrebt, das für eine erste Belebung des Quartiers sorgen soll. Ergänzt durch Wohnen in den Obergeschossen in erster Lage Bernburgs sollte das Saalplatzquartier zu alter Blüte mit hoher Aufenthalts- und Wohnqualität zurückfinden.

Mit der Lückenschließung und dem aufgenommenen Höhenbezug stellt sich die Bebauung als bauliche Einheit dar. Die neu geschaffenen Eingänge und Quererschließungen im Erdgeschoß vernetzen die Gewerbenutzungseinheiten auch untereinander und erhöhen somit entscheidend die Nutzungsflexibilität der Gewerbeeinheiten. Die Obergeschosse sind einer Wohnnutzung vorbehalten und richten sich mit variierenden Größen und Charakter (historisches und modernes Ambiente) an unterschiedliche Zielgruppen.

Durch die Errichtung neuer, gekoppelter Treppenhäuser und eines Aufzugs können behindertengerechte sowie altersgerechte Wohnungen angeboten werden.

Neubauten

Kugelweg 4

Der Neubau Kugelweg 4 wird im Bereich der Baulücke des ehemaligen Gebäudes Kugelweg 2 und des Seitenflügels Saalplatz 10 errichtet. Die Nordfassade des Bestandsgebäudes Saalplatz 12 ist ziegelsteinsichtig mit Putzgliederungen an Architekturelementen. Die Nord-Ost-Fassade des Bestandsgebäudes Saalplatz 12 wurde in ihren Strukturen erhalten und ist dem Neubau vorgeblendet.

Die Nord-Ost-Fassade des Neubaus Kugelweg 4 zeigt sich 4-geschossig in moderner Formensprache den angrenzenden historischen Fassaden entlehnt als Bindeglied zwischen Kugelweg 4 und der Eckbebauung am Saalplatz. Die Dachkonstruktion wird in Anlehnung an das Bestandsgebäude Saalplatz 12 weitergeführt, sodass sich Dachform und Dachneigungen des Bestandes auch im Neubau widerspiegeln. In der Ebene 0 ist eine großzügige Verkaufsfläche vorgesehen.

In den Ebenen 1 und 2 wird Wohnen in 2-Raum-Wohnungen mit etwa 55 m² altersgerecht realisiert. Die Ebene 3 des Neubaus Kugelweg 4 ist der Wohnung des Bestandsgebäudes Saalplatz 12 zugeordnet.

Saalplatz 12

Der Neubau am Saalplatz 12 gründet in diesem Gesamtensemble am tiefsten in das Gelände. Der Baukörper lagert mit seinen 3 weiteren Geschossen auf dem Parkdeck des Erdgeschosses, dessen Zufahrt sich direkt neben dem Hauseingang des Neubaus Saalplatz 12 befindet. Die Westfassade zeigt sich wie der Neubau Kugelweg 4 in moderner Formensprache den angrenzenden historischen Fassaden entlehnt. Das Staffelgeschoss bildet das Bindeglied zwischen den Gebäuden Saalplatz 12 (Bestand) und Saalplatz 13 (Bestand). Die Fassade wird straßenseitig mittels Ziegelvorhangfassade und mit Glattputz versehenen Teilflächen bzw. Blendnischen hergestellt. Hofseitig sind die Fassaden mit einem Wärmedämmverbundsystem bekleidet.

Insgesamt 4-geschossig errichtet, orientiert sich der Neubau mit seiner Traufkante der Mansarde am benachbarten Bestandsgebäude Saalplatz 12. Die Dachkonstruktion wird in Anlehnung an den Saalplatz 12 bis zur Ziegelfassade des neuen Treppenhauserkers weitergeführt, sodass sich Dachform und Dachneigungen des Bestandes Saalplatz 12 auch im Neubau Saalplatz 12 widerspiegeln.

Weiterführend in Richtung Bestandsgebäude Saalplatz 13 schafft ein Staffelgeschoss den Übergang zum niedrigeren Anschlußgebäude.

In den Ebenen 1 und 2 wird Wohnen in 4-Raum-Wohnungen mit etwa 109 m² altersgerecht realisiert. Das Staffelgeschoss der Ebene 3 beinhaltet eine helle und großzügige 3-Raum-Wohnung mit 87 m².

Barrierefreies Bauen

Die Zugänge zu Neubau Saalplatz 12 und Kugelweg 4 sind ebenerdig. Die weitere Erschließung in die Gebäude erfolgt über den Verbinderbau mit der zentralen Aufzugsanlage. Diese kann als Durchlader alle Geschossebenen ansteuern und verbindet Bestands- und Neubauten. Durch den neu errichteten Baukörper zwischen Saalplatz 12 und Kugelweg 4 erfolgt über eine zweite Treppenerschließung die Anbindung an den zentralen Verbinderbau. Dieser Zugang ermöglicht eine Durchwegung des Gebäudeensembles von Ost nach West.

Im Neubau Saalplatz 12 werden die Wohnungen in der Ebene 1 und 2 behindertengerecht realisiert, das Staffelgeschoss in Ebene 3 altersgerecht.

Das Bestandsgebäude am Saalplatz 12 bewahrt seinen akzentuierten Eingang an der Eckfassade. Der roßzügigen Verkaufsraum. Der direkte Übergang in den Verkaufsraum des neu errichteten Gebäudes am Kugelweg 4 ist durch drei Steigungen möglich. Die Wohnungen in den Ebenen 1 bis 3 können behindertengerecht realisiert werden.

Der Zugang an der Nordfassade zum Neubau Kugelweg 4 in den Verkaufsraum wird behindertengerecht hergestellt. Die Wohneinheiten im Neubau Kugelweg 4, ebenso wie im Bestandsgebäude Kugelweg 4, werden altersgerecht hergestellt.

Ruhender Verkehr

Aufgrund der gegebenen Grundstückssituation ohne straßenseitige Stellplatzkapazität und zur Wahrung der einzigartigen Wechselwirkung zwischen Gebäudeensemble und städtischem Freiraum mit hohen Wohnumfeldqualitäten wird von der Schaffung oberirdischer Stellplätze auf dem Grundstück abgesehen. Aus diesem Grund werden mit Hilfe eines Parkliftsystems 14 Stellplätze in einem räumlich vergleichsweise kleinen Parkdeck mit höhengleicher Anbindung an den Saalplatz über die Zufahrt am Hauseingang Saalplatz 12 geschaffen.

Der Innenhof wird um die Höhe des untergreifenden Parkdecks angehoben. Wegen der so reduzierten Gebäudehöhen und folglich besserer natürlicher Belichtung und Belüftung gewinnt der Innenhof deutlich an Aufenthaltsqualität.